Im Januar 2026 ist es wieder so weit: Die Dakar Rally kehrt zurück – und diesmal mischt Defender im Sandzirkus mit. Die berühmteste Offroad-Rallye der Welt führt erneut durch die gnadenlosesten Regionen Saudi-Arabiens, um herauszufinden, wer über die besten fahrerischen Fähigkeiten verfügt, welches Fahrzeug am härtesten im Nehmen ist und wer den Orientierungssinn einer genetisch optimierten Brieftaube besitzt. Wie immer treten bei der Dakar nicht nur Autos und Motorräder an. Ein kompletter Motorsport-Stammbaum hüpft über die schroffen Landschaften Saudi-Arabiens: von speziell entwickelten Rallye-Raidern der Ultimate-Kategorie bis zu vergleichsweise seriennahen Fahrzeugen in der Stock-Klasse, in der Defender auf Ruhm hofft. Es geht dabei nicht einfach nur um Höchstgeschwindigkeit. Entscheidend ist vielmehr, Material und Fahrzeug auf brutalem Untergrund klug einzuteilen. Die Landschaft ist der Amboss, auf dem weder die Technik noch der Mensch zerbrechen sollte.
Welche Fahrzeuge und Klassen sind bei der diesjährigen Rally vertreten? Hier ist unser praktischer Überblick.
Stock (zuvor T2)
Die neue Stock-Klasse gehört zu den spannendsten Kategorien der Dakar – zumindest für alle, die die teilnehmenden Fahrzeuge tatsächlich wiedererkennen möchten. Zugelassen sind Autos, die auf Serienfahrzeugen basieren. Und zwar wirklich seriennah: Motor, Antriebsstrang und Getriebe müssen identisch mit denen eines Fahrzeuges vom Band sein; Gleiches gilt für Karosserie und Chassis.
Der Defender Dakar D7X-R ist ein gutes Beispiel dafür. Es handelt sich um den ersten Dakar-Einsatz von Defender überhaupt und das Fahrzeug basiert vollständig auf einem Defender OCTA (D7X). Die meisten Änderungen dienen der Sicherheit, darunter Überrollkäfig, Ersatzteile und medizinische Ausrüstung. Wesentliche technische Anpassungen beschränken sich auf einen 500-Liter-Kraftstofftank – nötig für Etappen von mehr als 800 km – sowie doppelte Bilstein-Dämpfer. Letztere sind sowohl wegen des Geländes als auch wegen der mehr als 500 kg Kraftstoff an Bord erforderlich.
An der Karosserie wurden lediglich robustere Stoßfänger, minimal verbreiterte Radläufe und größere Reifen ergänzt; drei Ersatzreifen führt das Fahrzeug mit. Dass der Defender Dakar D7X-R einem normalen Defender 100 sehr ähnlich sieht, hat einen einfachen Grund: Im Wesentlichen ist er genau das. Dadurch wirkt die Stock-Klasse in mancher Hinsicht wie die reinste Dakar-Kategorie – vertraute Fahrzeuge stellen sich der größtmöglichen Herausforderung. Besonders der Defender-Einsatz ist im Blick zu behalten: Er war spannend genug, um „Mr.Dakar“ Stéphane Peterhansel zur Rückkehr als Fahrer zu bewegen. Allein das ist den Eintritt wert, schließlich gewann er die Dakar bereits 14-mal, sowohl auf Motorrädern als auch in Autos.
Ultimate (T1+)
Ultimate- oder T1+-Fahrzeuge sind die schnellsten Anwärter der Dakar: maßgeschneiderte Ungetüme mit Rohrrahmenchassis, die eigens für Veranstaltungen wie diese gebaut werden. Ford ist erneut mit dem Raptor T1+ vertreten, den Carlos Sainz, Romain Dumas und Nani Roma steuern. Das Team Dacia SandRiders tritt mit dem fünffachen Dakar-Sieger Nasser Al-Attiyah und dem neunmaligen WRC-Champion Sébastien Loeb an. Toyota Gazoo Racing meldet den Hilux T1+, außerdem sind X-Raid und Ebro Audax Motorsport sowie einige weitere Teams dabei.
Diese extremsten aller Extremfahrzeuge unterliegen dennoch klaren Vorgaben. Sie müssen zwei Sitzplätze für Fahrer und Beifahrer beziehungsweise Navigator bieten, über Allradantrieb verfügen, mindestens 2.010 kg wiegen, 2,3 m breit sein und dürfen höchstens 350 mm Federweg haben. Die Spitzenleistung wird über EoT-Regeln (Equivalence of Technology) gesteuert und liegt maximal bei 400 bhp. Deshalb arbeiten der 5,0-Liter-V8 des Raptor und der 3,5-Liter-Biturbo des Hilux in einem – relativ gesehen – niedrigen Leistungszustand. Das hilft der Zuverlässigkeit, dem ersten Grundsatz der Richtlinien zum „Versuch, die Dakar zu beenden“.
Challenger/T3 und SSV
Die Challenger-Klasse besteht aus leichten Prototypen-Buggys für Cross-Country-Rallyes und dient im Grunde als Sprungbrett für spätere T1+-Teilnehmer. Hier sammelte auch Defenders Rokas Baciuška seine ersten Erfolge. Diese wilden kleinen Maschinen sind im Wesentlichen eine Stufe über SSV-Side-by-Sides angesiedelt, lassen sich aber deutlich günstiger betreiben als ein vollwertiges T1+-Programm.
Gegenüber ihren großen Brüdern sind sie außerdem in der Höchstgeschwindigkeit begrenzt: Sie erreichen maximal 84 mph, während die größeren Autos bei Vollgas 105 mph schaffen. Das mag nicht besonders schnell klingen, doch nahezu alles findet abseits befestigter Straßen statt. Sie verfügen über beeindruckende Federwege und gerade genug dünne Karosserie, damit sich die Fahrer eher wie in einem Auto als auf einem Motorrad fühlen. Der Unterschied ist allerdings gering.
Mit der Challenger-Klasse verbunden ist auch SSV, früher T4 genannt. Wie die Bezeichnung nahelegt, sind SSVs – Side-by-Side-Fahrzeuge – kleine, leichte Geländewagen auf Basis von Serienfahrzeugen. Sie werden stark modifiziert, unterscheiden sich jedoch von den speziell konstruierten Challengern; Beispiele sind Can-Am Maverick oder XYZ Yamaha. Auch diese Klasse fungiert als Talentschmiede für Challenger: Aufstrebende Fahrer sammeln bei der Dakar wertvolle Erfahrung, bevor sie in die schnelleren Kategorien wechseln.
Classic Dakar
Die Classic Dakar zählt zu den optisch reizvollsten Klassen und ist den Retro-Helden vergangener Jahrzehnte vorbehalten. Für 2026 gibt es bei Autos und Lastwagen im Wesentlichen unterschiedliche Alterskategorien: Periode A (vor 2006), Periode B (1986–1996) und Periode C (1997–2005).
Die Classic-Kategorie wird als Gleichmäßigkeitsrallye ausgetragen. Statt die schnellste Zeit über die Strecke anzustreben, müssen die Teams eine vorgegebene oder innerhalb eines Zeitfensters liegende Zeit erreichen. Je genauer Zeitvorgabe oder zurückgelegte Distanz getroffen werden, desto weniger Strafpunkte fallen an. Weniger Strafpunkte bedeuten ein besseres Ergebnis und am Ende mehr Champagner.
Falls das leichter klingt, sollte man bedenken: Es handelt sich um ältere Fahrzeuge, die meist etwas empfindlicher sind. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten sind weiterhin nichts für Zartbesaitete, und 2026 wird die Herausforderung mit einem neuen Rekord bei der Gesamtdistanz der Wertungsprüfungen von 4.500 km noch nervenaufreibender. Das entspricht knapp 4.500 km Wettbewerb in einem Auto, das möglicherweise mehr als 40 Jahre alt ist – als würde man den eigenen Großvater, automobil betrachtet, mit wackligen Knien zu einem Ultramarathon zwingen.
Mission 1000
Mission 1000 ist das rollende Wüstenlabor der Dakar. Hier erproben Hersteller neue umweltfreundliche und hochmoderne Technologien, um festzustellen, ob diese dem Missbrauch in der Wüste standhalten. Elektroautos, Motorräder und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge bewältigen dabei Distanzen, die besser zu ihren jeweiligen Anforderungen passen.
Im Kern sind das fahrende Experimente, die vermutlich die Grundlage künftiger Rallye-Raids bilden werden. Neue Technik wird getestet, bewertet und validiert, um herauszufinden, was funktioniert und was … explodiert. Für die Mission-1000-Fahrzeuge gelten verschiedenste Regeln – von der Möglichkeit zum Heißwechsel von Batterien bis zur Pflicht, Launch Control einzusetzen, um zusätzliche Punkte zu erhalten. Bei der Rally 2026 gibt es sogar ein „Fan-Boost“-Element wie in der Formel E. Trotz aller Spielereien dürfte dies eine der härtesten denkbaren Prüfungen für einen empfindlichen Prototypen sein.
Jedes Dakar-Fahrzeug mit Kolbenmotor muss kohlenstoffarme Superkraftstoffe verwenden. Doch diese Fahrzeuge blicken über das Verbrennen von Bäumen hinaus, um unseren Motorsport-Nachschub zu sichern.
Lastwagen
Die Lastwagenklasse ist, wie der Name sagt, für die schweren Jungs und Mädels. Ende der 1970er-Jahre starteten sie zunächst als Begleitfahrzeuge für Autos und Motorräder. Als die Fahrer jedoch erkannten, dass es einen … äh … „inoffiziellen“ Wettbewerb darum gab, als Erste im Biwak beziehungsweise Werkstattbereich anzukommen, geriet die Sache etwas außer Kontrolle – und eine neue Kategorie war geboren.
In mancher Hinsicht sind die Trucks noch spektakulärer als die Autos. Zu den berühmtesten Dakar-Momenten gehören jene, in denen die megatonnen schweren Maschinen die Rallyeautos überholten. Der Meister darin war Jan de Rooy. Er experimentierte äußerst offensiv mit dem Konzept und endete bei einem zweimotorigen, 10 Tonnen schweren DAF-Rennblockhaus mit rund 1.200 bhp und Allradantrieb. Das ist es, was 23,2 Liter Gesamthubraum ermöglichen.
Das erfolgreichste Truck-Team der Dakar war bislang das russische Kamaz-Team, das bis 2022 19 Siege errungen hatte. Für den Start 2026 ist seine Teilnahme bislang jedoch nicht bestätigt.
Motorräder
Ganz offensichtlich sind Motorräder und Quads die forderndste aller Dakar-Kategorien. In diesem Jahr treten 118 der zähesten Motorradfahrer mit dem tausend-Yard-Blick an, und auf ihren 450-cm³-Maschinen gebührt ihnen Respekt. Völlig ungeschützt, schnell und kippelig, stehen sie bei ihrer Solofahrt vor einer gewaltigen Aufgabe.
Bei Stürzen fehlt es naturgemäß an Schutz, doch auch ohne Unfall sind die Fahrer der Witterung ausgesetzt. Zudem können sie nur wenig Ersatzteile und Ausrüstung mitnehmen. Die Elite startet in Rally GP, unterstützt von Werksteams wie Honda und KTM. Zu den erfolgreichen früheren Siegern gehören Daniel Sanders, Luciano Benavides, Edgar Canet, der Junge aus Poole Sam Sunderland und der Australier Toby Price – nicht ganz so bekannte Namen wie im Autobereich. Darüber hinaus existieren Kategorien für Frauen, Junioren und Halbältere, also Veteranen.
Rally 2 ist die zentrale Klasse für Fahrer, die nicht das Geld für ein komplettes Rennteam haben, aber robust genug sind, um den Kurs zu bewältigen. Rally3 richtet sich an Teilnehmer auf modifizierten Serienmotorrädern statt auf speziell gebauten Rallye-Raid-Maschinen. Zusätzlich gibt es drei Unterkategorien: Legend für Spitzenfahrer, Rookie für Neulinge und Original (Malle Moto) für jene, die die gesamte Veranstaltung ohne Unterstützung im Geist der ursprünglichen Rallye bestreiten.
Eine Randnotiz zu diesen „Original“-Fahrern: Bei der Dakar 2026 gibt es zwei zweitägige „Marathon“-Etappen, auf denen alle Teilnehmer 48 Stunden ohne externe Hilfe auskommen müssen. Eine besonders schöne Regel bleibt jedoch bestehen: Solofahrer auf Motorrädern dürfen an den Maschinen anderer Teilnehmer arbeiten. Diese Vorschrift wurde eingeführt, damit tatsächlich mehr Menschen die Veranstaltung beenden können.
**Illustrationen:* Peter Greenwood*
Defender OCTA | Meister extremer Performance, überall
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