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Seat Leon Cupra R: Die analoge Ikone

Gelber Seat Leon FR fährt auf einer Landstraße mit bewölktem Himmel und grünen Bäumen im Hintergrund.

Toca Race Driver 2. Damit fing für mich alles an. Als das Spiel 2004 erschien, war ich gerade zehn Jahre alt. Mein Simulator-Setup war schlicht: ein am Schreibtisch befestigtes Lenkrad, dazu Gas- und Bremspedal auf dem Boden. Ein drittes Pedal, um das ich mich hätte kümmern müssen, gab es nicht – ich hätte ohnehin nicht gewusst, was damit anzufangen ist. Autofahren konnte ich damals schließlich noch nicht.

Für mein zehnjähriges Ich war das trotzdem eine ernste Angelegenheit. Und wenn mir aus dem Spiel ein Auto besonders im Gedächtnis geblieben ist, dann der Seat Leon Supercopa MkI. Dieser hier ist zwar nicht jener Rennwagen, bildet aber dessen Grundlage. Entsprechend groß ist meine Vorfreude heute. Nur hat es an diesem Morgen, obwohl dieser Sommer der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen war, in Strömen geregnet. Und Besitzer Nathan ist extra von seinem Zuhause in Liverpool nach Bedfordshire gefahren, um mich zu treffen – eine Hin- und Rückfahrt von rund 563 Kilometern und sechs Stunden. Was für ein Pech.

Zum Glück zeigt sich die Sonne ungefähr in dem Moment, in dem er ankommt. Sofort bin ich erleichtert zu erfahren, dass dieser Leon trotz seines scheinbar makellosen Zustands kein reines Garagenfahrzeug ist. Seit Nathan ihn vor einigen Jahren gekauft hat, ist er mit seinem Sohn bereits dreimal zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans gefahren. Dort, erzählt er mir, zieht das Auto regelmäßig mehr Aufmerksamkeit auf sich als deutlich prestigeträchtigere Fahrzeuge.

Fotografie: Jonny Fleetwood

Seat Leon Cupra R: Motorsport-Optik mit Geschichte

Der Grund dafür ist leicht zu erkennen, denn die kraftvolle Erscheinung des Wagens ist erstaunlich gut gealtert. Seat brachte den Leon Cupra MkI 1999 mit einem 1,8-Liter-Turbomotor und 180 PS auf den Markt. Einige Jahre später folgte nach umfangreicher Entwicklungsarbeit der Cupra R mit 210 PS, auf den wiederum eine Variante mit 225 PS folgte. Genau diese steht hier vor mir.

Und es ist nicht Nathans erster Leon dieser Art. 2001 fuhr er einen Vauxhall Corsa, den er nicht ausstehen konnte, ging in ein Seat-Autohaus und verließ es mit einem Leon 1.6 in Basisausstattung. Danach arbeitete er sich schrittweise durch die Modellpalette, ehe er 2017 seinen ersten grauen Cupra R kaufte.

Als 2022 dieses großartige und mittlerweile immer seltenere gelbe Exemplar auftauchte, konnte er jedoch nicht widerstehen. Laut Nathan bekam der Wagen beim Vorbesitzer eine Neulackierung, weil der Lack durch die Sonne ausgeblichen war. Abgesehen davon ist er vollständig im Originalzustand – einschließlich Frontsplitter, Fahrwerk und Auspuffanlage. Daran soll sich auch nichts ändern.

„Das Turbopfeifen bei jedem Überschreiten von 3.000 U/min ist ansteckend“

Analoge Qualitäten des Cupra R

Im Innenraum wirkt der Leon im Vergleich etwas betagter, doch zahlreiche Details verweisen weiterhin auf seine Rennsport-Gene: das perfekt dimensionierte Lenkrad mit roter Zwölf-Uhr-Markierung, die ursprünglich aufpreispflichtigen Recaro-Sitze und die äußerst seltenen karierten Cupra-R-Fußmatten. Für Letztere werden heute Hunderte Euro verlangt. Für ein über 20 Jahre altes Auto ist die Ausstattung außerdem überraschend umfangreich – sogar ein Sechsfach-CD-Wechsler im Handschuhfach gehört dazu.

Beim Drehen des Schlüssels gibt sich der Motor zunächst recht zurückhaltend. Deutlich präsenter ist das schwere Lenkgefühl. Wenigstens gelingt es mir, ihn nicht abzuwürgen, als ich vor Nathan wenden muss. In TOCA musste ich das nicht.

Auf der freien Straße beginnt der Cupra dann, seine Hot-Hatch-Seite zu zeigen. Das Lenkgewicht fühlt sich hier genau richtig an, und obwohl die Schaltung recht leichtgängig ist, zieht der Motor beeindruckend durch. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 6,9 Sekunden – nach heutigen Hot-Hatch-Maßstäben nicht überragend schnell, doch Elektroautos haben unsere Wahrnehmung von Geschwindigkeit ohnehin verdorben.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 241 km/h, aber danach muss man gar nicht streben: Das Turbopfeifen bei jedem Überschreiten von 3.000 U/min macht süchtig. Mit wachsendem Vertrauen reagiert der Wagen darauf – je mehr man sich auf ihn einlässt, desto mehr gibt er zurück. Herrlich unverfälscht, herrlich analog, herrlich ... alte Schule.

Allein deshalb bin ich froh, ihn kennengelernt zu haben. Angesichts heutiger Autos, denen zunehmend jede Emotion fehlt, erinnert er daran, was uns verloren geht. Entschuldigt mich bitte, ich muss jetzt den Simulator abstauben. Es wartet noch ein Rennen auf mich.

Stärke:

Rennwagen-Optik, hervorragende Sitzposition, Erlebnis der alten Schule

Schwäche:

Leichtgängige Schaltung, straffes Fahrwerk, gebrauchte Teile schwer zu finden

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