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Project Motor Racing im Test: Viel Potenzial, große Probleme

Mehrere Rennwagen fahren bei herbstlichem Laub auf einer kurvigen Rennstrecke in der Nachmittagssonne.

Project Motor Racing steigt 2025 spät in den Kampf um euer Simracing-Budget ein. Falls euch dieser Name verdächtig bekannt vorkommt: Das liegt daran, dass hinter dem Spiel einige der Köpfe stehen, die auch für die geschätzte Project CARS-Reihe verantwortlich waren. Offensichtlich soll es als glaubwürdiger Nachfolger dieser Titel wahrgenommen werden, ohne dass dabei die Unternehmensjuristen hochrot anlaufen und sich an die Brust fassen müssen.

Während viele Rennsimulationen inzwischen zunächst in irgendeiner Early-Access-Form auf PC erscheinen, damit sie mit begrenzten Inhalten und unfertigen Funktionen dringend benötigte Einnahmen erzielen können, haben sich die Entwickler von Project Motor Racing mutig und durchaus ehrenwert für einen Vollpreis-Release entschieden. In der Rangliste bedauerlicher Entscheidungen dürfte das allerdings weit oben stehen – neben der Idee, das Musical Cats eigne sich hervorragend als Film, vor allem mit einem furchteinflößenden, pelzbedeckten James Corden.

Project Motor Racing: Eine Rennsimulation mit technischen Schwächen

Denn Project Motor Racing ist in seinem aktuellen Zustand ein ziemliches Chaos. Schon die Spiel-Engine, die normalerweise die eher gemächlichen Farming Simulator-Spiele antreibt, wirkt für eine Rennsimulation hoffnungslos ungeeignet. Optisch sieht alles ungefähr zehn Jahre alt aus: flache Beleuchtung, streckennahe Umgebungen mit wenigen Details und in vielerlei Hinsicht ein weniger ansehnliches Gesamtbild als Project CARS 2 im Jahr 2017 bot. Fortschritt sollte eigentlich nicht in diese Richtung laufen.

Grafik ist allerdings nicht das Wichtigste; dieser Status gebührt dem Fahrverhalten. Leider ist gerade das ein Musterbeispiel für eine durchwachsene Angelegenheit. Einige ältere Fahrzeuge fühlen sich vergleichsweise natürlich an, insbesondere Modelle, die einen rutschigeren Fahrstil mit Gasgeben in der Kurve bevorzugen. Zudem ist die Auswahl an historischen Fahrzeugen recht umfangreich, denn das Aufgebot vereint die Epochen des Sportwagen- und GT-Rennsports auf wirklich hervorragende Weise.

Alles ab etwa dem Baujahr 2001 wird dagegen wahrscheinlich zu einer echten Herausforderung. Selbst wenn man sich die Zeit nimmt, über die Einstellungen ein passendes Force-Feedback-Gefühl zu konfigurieren, bleibt eine generelle Entkopplung vom Asphalt spürbar. Besonders die Hypercar-Klasse, aus der sich auch in anderen Simulationen nur schwer Tempo herauskitzeln lässt, verhält sich merkwürdig und unvorhersehbar. Unabhängig davon, ob die Reifen kalt sind oder nicht, fahren sich diese Autos mit der Eleganz eines kaputten Einkaufswagens.

Strafen, KI und Karriere sorgen für Frust

Hinzu kommt ein bunt zusammengewürfeltes Paket weiterer zutiefst ärgerlicher Probleme. Das unnötig harte Strafensystem drückt euch sofort eine Zwei-Sekunden-Strafe für Streckenlimits auf, selbst wenn euch ein anderer Fahrer von der Strecke geschubst und in einen Dreher befördert hat. Multiplayer-Rennen werden häufig von demjenigen gewonnen, der die wenigsten kleinen Ausflüge abseits der Piste hatte. Der Einzelspieler-Karrieremodus besitzt zwar eine interessante und realistische Struktur, in der Schäden am eigenen Fahrzeug bezahlt werden müssen. Genau das braucht man jedoch nicht, wenn die KI-Autos eure Anwesenheit auf der Strecke offenbar nur vage registrieren. Sie folgen stur ihrer Ideallinie und ziehen fröhlich direkt in euch hinein, selbst wenn ihr beim Einlenken vollständig neben ihnen seid. Das ist schlicht wahnsinnig frustrierend.

Es ist irgendwie herzzerreißend, weil sich gelegentlich alles fügt und kurz erahnen lässt, wie viel Spaß das Spiel machen könnte. Wenn ihr mit einem GT1 Lotus Elise durch die Craner Curves in „Derby“ – bei seinen Freunden besser als Donington Park bekannt – stürzt und für The Old Hairpin bremst, während das Auto unter euch zappelt, wird klar, worauf Straight4 Studios hinauswollte. Getroffen haben sie leider sich selbst. Am Fuß.

Viel Potenzial, aber noch kein fertiges Project Motor Racing

Das Kernproblem lautet: Project Motor Racing fühlt sich exakt danach an, nämlich nach einem Projekt. Nach unfertiger Arbeit. Zweifellos steckt enormes Potenzial darin: Die Inhalte wurden fachkundig von Menschen zusammengestellt, die Motorsport offensichtlich lieben, und gerade Konsolenspieler wünschen sich dringend eine anspruchsvollere Simulation mit strukturiertem Online-Spiel. Aktuell liegt dieses Potenzial jedoch fast vollständig unter einem Berg an Problemen begraben. Ob das Spiel lange genug durchhält, um die notwendigen Fehlerbehebungen und Abstimmungen zu erhalten, bleibt abzuwarten. Wir hoffen aufrichtig, dass es gelingt – doch niemandem ist ein Vorwurf zu machen, der nicht als Versuchskaninchen dienen möchte.

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