Die addierten Laufdistanzen von F. C. Porto, Benfica, Sporting und Braga auf dem Platz würden ausreichen, um Japan zu erreichen.
Die vier bestplatzierten Teams der Liga kamen allein mit den auf dem Spielfeld zurückgelegten Distanzen auf 10.197,5 Kilometer. Nach den von GoalPoint für JN erhobenen Daten hatten die beim Benfica eingesetzten Spieler bis zum 32. Spieltag 2820,8 Kilometer absolviert, jene von F. C. Porto 2467,2, die von Sporting 2448,8 und die von Braga 2.638,7. Insgesamt ergibt das 10.375,5 Kilometer – ungefähr die Luftliniendistanz zwischen Portugal und Japan.
Unter den Akteuren mit den meisten zurückgelegten Metern setzt sich Froholdt mit kaum vorstellbaren 328,9 Kilometern in 32 Partien klar von der Konkurrenz ab. Der Däne ist unter den Spielern der drei Erstplatzierten sogar der Einzige, der die Marke von 300 Kilometern überschreitet. Das unterstreicht seine Rolle als echter „Lungenflügel“ in der Mannschaft von Francesco Farioli: Mit seiner raumgreifenden Spielweise deckt er ein grosses Aktionsfeld ab. So kann er vorne in Abschlusspositionen auftauchen und Tore erzielen, zugleich aber auch tiefer verteidigen, absichern, Bälle zurückerobern oder den Spielaufbau aus der hinteren Reihe vorantreiben. Dahinter folgt Benficas Aussenverteidiger Samuel Dahl mit 286,3 zurückgelegten Kilometern, gefolgt von Benficas Stürmer Pavlidis mit 280. Anschliessend kommt Sportings Angreifer Trincão mit 266,9.
Einordnung der Zahlen
Um diese Werte besser einzuordnen, sprach JN mit dem Physiologen Rui Lemos. In dieser Saison arbeitete er beim österreichischen LASK Linz im Trainerstab von João Sacramento und Abel Pimenta, nachdem er in der vergangenen Spielzeit bei Lyon tätig gewesen war und zuvor sechs Saisons lang bei Braga auf sich aufmerksam gemacht hatte. „Diese Zahlen bestätigen uns im Fall von Benfica, dass wir über eine Mannschaft sprechen, die viele Umschaltmomente spielt, intensiver agiert, sich aber auch am stärksten belastet, weil sie das grösste Volumen hat. Bei F. C. Porto zeigen sie, dass das Team stark von Spielern wie Froholdt und ein oder zwei weiteren sogenannten „Klavierträgern“ abhängt, also von arbeitsintensiveren, körperlich fokussierten Spielern, die auf zwei oder drei „Motoren“ angewiesen sind. Braga ist vielleicht die kollektiv ausgeglichenste Mannschaft, weil die zurückgelegten Distanzen offenbar gleichmässiger auf alle verteilt sind. Sporting erscheint mir schliesslich effizienter: Die Mannschaft kann das Spiel kontrollieren, ohne sich so stark aufzureiben“, erklärte der Physiologe.
Interessant war zudem die Frage, welche Rückschlüsse sich aus der Belastungssteuerung der Trainer während der Saison ziehen lassen. Rui Lemos wies jedoch darauf hin, dass zunächst bekannt sein müsste, ab welcher Geschwindigkeit die Kilometerleistung erfasst wurde. Deutlicher werde dieser Punkt beim Vergleich der Distanzen von Benfica und Sporting in der Champions League. Laut UEFA-Statistiken, die Kilometerdaten für die Europa League nicht ausweisen und daher keine entsprechenden Werte für F. C. Porto und Braga zulassen, kamen die Adler in zehn Spielen auf 1 176,6 Kilometer und die Löwen in 12 Begegnungen auf 1 399,4. Im Schnitt liefen sie damit deutlich mehr als in den 32 Ligaspieltagen.
Die Grossen dominieren
„In der portugiesischen Liga befinden sich Benfica und Sporting als dominierende Teams ständig in der offensiven Hälfte, haben mehr Ballbesitz und müssen viel seltener hin- und herlaufen, weshalb das Laufvolumen geringer ausfällt. In der Champions League verhält es sich genau umgekehrt, weil Benfica und Sporting dort nicht so dominierend auftreten können. Das Niveau ist wesentlich höher, und sie müssen deutlich mehr laufen, da sie einer grösseren Intensität und einem ständigen Wechsel von Umschaltphasen ausgesetzt sind“, argumentierte Physiologe Rui Lemos. „Das erklärt auch, weshalb portugiesische Mannschaften in Europa nicht so konkurrenzfähig sind. In der portugiesischen Liga gibt es wegen des Leistungsunterschieds zwischen den Grossen und den übrigen Teams nicht dieselbe Intensität und körperliche Belastung. In den europäischen Wettbewerben wird der Unterschied dann sichtbar, denn dort braucht es, bildlich gesprochen, einen anderen „Treibstoff“. Andere europäische Teams erreichen ein so hohes körperliches Niveau, weil sie in ihren Ligen fortlaufend dieser physischen Anforderung ausgesetzt sind – und dadurch eine andere körperliche Stufe erreichen“, ergänzte er.
Erholung ist entscheidend
Fest steht, dass die körperliche Verfassung der Mannschaften zum Saisonende klar erkennbar war, insbesondere bei F. C. Porto und Sporting. „Um Schlussfolgerungen über die physische Belastung von F. C. Porto ziehen zu können, müsste man wissen, welche Art von Läufen absolviert wurde. Natürlich hat die Rotation aber dazu beigetragen, frischere Spieler zu haben, weil die Belastung besser verteilt wurde. Bei Sporting scheint es mir, dass der Klub in den vergangenen Jahren grosse Probleme mit Verletzungen hatte. Sie wurden Meister, wodurch es weniger auffiel, aber bei so vielen Verletzungen wird sich etwas ändern müssen.“
Auch der Umgang mit Ermüdung spielt eine Rolle: „Mein Eindruck ist, dass immer mehr ausserhalb des Platzes gearbeitet wird, in Fitnessstudios und so weiter. Im Fussball allgemein und bei Sporting besonders gibt es immer mehr Verletzungen, obwohl immer mehr Menschen daran arbeiten, sie zu verhindern. Das ist letztlich ein Paradox. Deshalb glaube ich, dass ausserhalb des Platzes zu viel gearbeitet wird und zu wenig Ruhe sowie Erholung vorhanden sind. Zudem wollen viele Menschen im Umfeld des Fussballs rechtfertigen, wofür sie bezahlt werden, und überladen die Spieler mit Zusatzarbeit, sodass die Belastung am Ende enorm wird. Man entfernt sich zu weit von der Erholung, und die Trainer verlieren die Kontrolle – vor allem, wenn sie zu einem Verein kommen, in dem bereits eine Performance-Abteilung besteht, über die der Trainer wenig oder gar keine Kontrolle hat und die Arbeit nicht abgestimmt wird“, führte Rui Lemos aus.
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