Carlos Matos hat die Baugerüste gegen einen zu einer Tribüne umgebauten Lkw-Anhänger eingetauscht. Drei Tage lang erleben rund 130 Menschen den Circuito Internacional de Vila Real mit Freunden, frisch gezapftem Bier, gemeinsamem Essen, Musik und Motoren.
Von der Baustelle zur Tribüne am Circuito Internacional de Vila Real
Die Tribüne mit Blick auf die Abfahrt von Mateus und die Schikane am Circuito Internacional de Vila Real war zunächst ein Gerüst. Ein gewöhnliches Baugerüst, hastig aus Begeisterung aufgebaut: In dieser Stadt verfolgen manche die Rennen aus dem Fenster, vom Balkon, über eine Mauer hinweg oder von jedem anderen Platz aus – Hauptsache, sie können etwas sehen. Dann kamen weitere Leute, mehr Freunde, Kinder von Freunden und Bekannte von Bekannten, sodass das Gerüst nicht mehr ausreichte. Auch aus Sicherheitsgründen – denn Leidenschaft braucht Vernunft – entschied Carlos Matos sich für eine größere Lösung.
Heute steht neben der Strecke ein zum Zuschauerbereich umgebauter Anhänger, von dem aus sich Tempo und Bremsmanöver beobachten lassen. „Es ist das sechste Jahr, in dem ich den Lkw aufbaue“, erzählt Carlos Matos dem JN. Die Konstruktion mietet er in Famalicão und gibt sie zurück, sobald die Rennen vorbei sind. Für drei Tage wird dieses Stück aus Metall, Treppen, Planen und dem wenigen verfügbaren Schatten zu einem Zuhause.
Carlos betont, dass es „kein Geschäft“ sei. Es gibt weder eine Kasse noch Gewinn oder Kunden, die für die Aussicht bezahlen. „Es wird ein Kostenvoranschlag erstellt“, erklärt Carlos Matos, und anschließend „wird die Rechnung auf alle verteilt“. Zutritt haben ausschließlich eingeladene Personen mit Armband. Für den stärksten Tag in diesem Jahr, den Sonntag, rechnete er mit etwa 130 Gästen. Früher waren es noch mehr, doch er hat gelernt, dass auch eine große Zahl anstrengend werden kann. „Weniger Leute sind besser, die Qualität ist höher, wir sind entspannter“, sagt er.
Freunde, Essen und Rennsport in Vila Real
Entspannt geht es hier allerdings nur bedingt zu. Es gibt Rennen, Musik, frisch gezapftes Bier, Spanferkel, Fleischbällchen, Grillhähnchen und alles, was die Gäste zusätzlich auf den Tisch stellen möchten. Das Prinzip ist unkompliziert: Jeder bringt etwas mit, alle probieren von allem, und niemand bleibt außen vor.
Carlos Matos braucht nicht viele Worte, um zu begründen, warum er das alles organisiert. Für ihn lassen sich Vila Real und der Rennsport nicht mehr voneinander trennen. „Wir aus Vila Real leben die Rennen. Wir sind mit den Rennen geboren.“ Die Stadt verändert sich, Straßen werden gesperrt, der Alltag richtet sich nach der Rennstrecke – doch offenbar will es niemand anders haben. „Wir können nicht mehr ohne das leben. Wir warten das ganze Jahr darauf“, gesteht Carlos Matos.
Jorge Amílcar Teixeira nennt sie „die beste Tribüne der Rennstrecke“. Nicht allein wegen der Aussicht, sondern auch wegen der Atmosphäre und der Menschen, die dort zusammenkommen. Er sagt es mit der ungefilterten Aufrichtigkeit großer Tage. Entscheidend seien dort „Reifengeruch, Benzingeruch und Lärm“. Auch das Spanferkel spiele eine Rolle, denn von Motoren allein könne keine Feier bestehen.
Musik zwischen den Rennen
Die Pausen zwischen den Läufen sind keine wirklichen Pausen. Ein DJ ist im Einsatz, und sobald die Autos verstummen, übernimmt die Musik. Jorge Amílcar warnt, dass man dafür „körperliche Vorbereitung“ brauche. „Es ist hart, aber lohnend.“ Die Hitze drückt, Bier hilft beim „Hydrieren“, einer lacht, ein anderer tanzt, und weiter unten rast wieder ein Auto vorbei – zu schnell, um es vollständig zu erfassen.
João Santos und Paulo Silva sind über den Freundeskreis hierhergekommen. Sie sind vor Ort, weil man an diesem Platz „Geschwindigkeit und Bremsen“ besonders gut sehen kann. João bringt es auf den Punkt: „Solange die Getränke nicht ausgehen – Freunde, Rennen –, haben wir alles, was wir wollen, wir sind unter Familie.“
Vielleicht ist genau das die Tribüne auf dem Anhänger: nicht bloß ein Ort, an dem man Autos zusieht, sondern eine Art, wie Vila Real sich drei Tage lang selbst wiedererkennt. Manche sehen Motoren, andere ein Fest, wieder andere eine ganze Stadt, die Benzin und verbrannten Reifen atmet. Dort oben, zwischen frisch gezapftem Bier, Hitze und Gelächter, trennt niemand das eine klar vom anderen. Das muss auch nicht sein.
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