So hatten wir uns das Leben nach der Übernahme des Trainerpostens bei der Roma ausgemalt: aufwachen, mit einem Espresso in der Hand rätselhaft auf dem Balkon stehen und den Blick über atemberaubende Architektur schweifen lassen. Mühelos elegante Herrenmode anziehen, mit dem Purosangue als Alltagswagen zum Trainingsgelände fahren, Paolo Dybala und Lorenzo Pellegrini an einem Tisch im Freien zum Frühstücksgespräch empfangen und dabei weit ausholend gestikulieren. Im Stadio Olimpico zusehen, wie das Team in einer riesigen Daunenjacke den Gegner dominiert, dann zurück ins Büro für weitere ausladende Gesten, Abendessen, Schlafen.
Doch Football Manager 26 versteht mehr vom Fussball als wir. Ein Tag im Leben des Giallorossi-Trainers – und eigentlich jedes anderen Trainers – sieht eher so aus: aufwachen, E-Mails. Eine Besprechung mit dem Nachwuchstrainer ablehnen, der einen Jugendspieler zu einem umfangreichen Sprachkurs schicken möchte. Die nächste Sitzung mit dem Scouting-Team absagen, das herausgefunden hat, dass dieser Lamine Yamal wohl ganz ordentlich ist. Noch mehr E-Mails.
Im Büro ankommen und feststellen, dass es umgeräumt wurde: Das Blatt mit den notierten Taktiken ist unauffindbar. Ebenso die Spielerliste. Ebenso sämtliche Statistiken und Informationen über die eigenen Spieler. In eine existenzielle Krise geraten, Abendessen, Schlafen.
Football Manager 26 zwischen Spieltag und Büroalltag
Dieses Spiel hat zwei Halbzeiten. Wer diese Metapher inzwischen derart abgenutzt findet, dass sie geradezu beleidigend wirkt, sollte bedenken: Selbst eine stehengebliebene Uhr zeigt zweimal täglich die richtige Zeit. Manchmal treffen auch die bequemsten Fussballbilder ins Schwarze. Denn so überzeugend die neue 3D-Spiel-Engine von Football Manager 26 mit ihrer neu gewonnenen Animationsdichte und ihrem Potenzial für Geschichten während der Partie ist, so oft sorgt die Überarbeitung der Benutzeroberfläche für Orientierungslosigkeit und Frust.
Besonders schmerzhaft daran ist, wie vorbildlich Entwickler Sports Interactive dabei eigentlich vorgegangen ist. Das Studio setzte 2025 ein ganzes Jahr aus, um ein ehrgeiziges neues Projekt sorgfältig zu verfeinern, das zugleich den Wechsel auf die Unity-Engine bedeutete. Mehr Studios mit jährlich erscheinenden Reihen sollten sich an dieser Herangehensweise ein Beispiel nehmen – wenn auch nicht zwingend am Ergebnis.
Verpassen wir den Schwachstellen jetzt die Föhn-Behandlung, denn es gibt auch reichlich Positives zu besprechen. Vereinfacht gesagt: Jeder Bildschirm dieses Spiels ist mit zu vielen Informationen überladen, während die Zeit viel zu schleppend vergeht. Die Benutzeroberfläche möchte das Leben offenbar erleichtern, indem sie auf jedem freien Pixel Statistikwerte und Menüverknüpfungen unterbringt. Dabei scheint sie zu übersehen, dass das Gehirn diese Informationsmenge nicht auf einmal verarbeiten kann – und dass es keinerlei gestalterische Hinweise gibt, worauf der Blick zuerst fallen soll.
Hinzu kommt, dass die Benutzeroberfläche zuvor mehr als ein Jahrzehnt lang auf eine bestimmte Weise aufgebaut war. Plötzlich werden selbst grundlegende Vorgänge schwierig, die einst völlig automatisch abliefen.
Bei der Masse interaktiver Menüelemente und der für die Reihe typischen Simulationstiefe fühlt sich schon der Weg von einem Tag zum nächsten zäh an. Am stärksten ist das Spiel, wenn man diese tiefgreifende Simulation einige Saisons lang laufen lässt und sich ein glaubwürdiges Fussball-Ökosystem entwickelt. Im modernen FM dauert das schlicht zu lange, besonders aber in dieser neuen Ausgabe.
Unity-Engine macht die Partien von Football Manager 26 lebendiger
Kommen wir also zu den guten Seiten. Allein für den Anpfiff hat sich das freie Jahr für Sports Interactive gelohnt. Statt in der alten hauseigenen Engine läuft das Spiel nun auf Unity. Einer Legende zufolge steckte in der bisherigen Technik noch immer Code-DNA aus den Virtua Striker-Spielen der 90er, die Publisher Sega dem Studio zugänglich gemacht hatte. Die neue Grundlage liefert sichtbar mehr Details, sowohl bei den Animationen als auch bei der allgemeinen Bildqualität. Niemand reibt sich ungläubig die Augen, weil es angeblich Match of the Day wäre – grafisch liegt es weiterhin Jahrzehnte hinter FC 26 und eFootball zurück. Dennoch zeigt es wesentlich feinere Einzelheiten als FM 24.
In unserem Roma-Spielstand entfaltete der Trainerjob vor allem während der Partien seinen Glanz. Angelinos Übersteiger beobachten, Matias Soulés kraftvolle Vorstösse über den rechten Flügel, Bryan Cristantes Stärke in der Luft und Paolo Dybala dabei sehen, wie er eine Verletzung vorspielt, um am Strafraumrand einen verheissungsvollen Freistoss zu erzwingen. Weil all diese Szenen etwas klarer dargestellt werden, wirken die Spieler greifbarer. Und damit auch unsere Arbeit als Trainer.
Auf der Funktionsliste stehen zudem einige unkomplizierte Verbesserungen. Da wäre etwa eine vollständig lizenzierte Premier League. Zum ersten Mal überhaupt gibt es im Frauenfussball 14 Ligen aus 11 Nationen. Ausserdem wurde der Taktikbildschirm so angepasst, dass sich die Formation mit und ohne Ball in deutlich unterschiedliche Formen bringen lässt.
Der grösste Erfolg von FM 26 liegt jedoch darin, wie die überarbeitete Spiel-Engine mit der seit Langem vorhandenen Tiefe der Reihe zusammenwirkt. Sie erschafft eine Welt, in die man vollständig eintauchen kann; Dinge, die vorher wichtig erschienen – Hausarbeit, Familie, Beruf und Tageslicht –, werden von brasilianischen Wunderkindern und einem Sieg gegen Liverpool an der Anfield Road verdrängt. Diese Rückkehr hat ihre Mängel, und es werden umfangreiche Patches nötig sein, um das Erlebnis mit der Benutzeroberfläche zu glätten. Sie ist aber nicht so fehlerhaft, dass man nicht trotzdem weiter von dem ausgemalten Leben im Roma-Job träumt.
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